Bei herrlichem Frühlingswetter führt uns diese Radtour von Berlin zunächst nordwärts
durch die Uckermark nach Usedom, dann an der polnischen Ostseeküste entlang nach
Danzig und schließlich noch in einem kleinen Schlenker durchs Danziger Hinterland.
Wir folgen zunächst dem Radfernweg Berlin-Usedom, dann dem Ostseeküstenradweg
EuroVelo 10.
Von Berlin nach Joachimsthal
Vom Berliner Hauptbahnhof, den wir am Vormittag mit der Bahn erreicht haben, radeln
wir nordwärts durch die Außenbezirke aus der Stadt hinaus. Auf Radwegen und kleinen
Seitenstraßen lassen sich verkehrsreiche Abschnitte weitgehend vermeiden.
Eine kurze Fotopause am Schloss Schönhausen, dann geht es weiter bis Bernau,
wo wir uns etwas mehr Zeit nehmen.
Nördlich davon wird die Landschaft spürbar stiller. Die weiten Buchenwälder der Schorfheide
prägen nun die leicht wellige Moränenlandschaft der südlichen Uckermark. Diese dünn besiedelte
Region war einst ein bevorzugtes Jagdgebiet preußischer Könige und späterer deutscher
Staatsoberhäupter; dadurch blieb die Schorfheide vor großflächigen Rodungen weitgehend
verschont und konnte sich zum größten zusammenhängenden Waldgebiet Deutschlands
entwickeln.
Nach einer recht rustikalen Passage über Waldwege mit antikem Kopfsteinpflaster queren wir den
Oder-Havel-Kanal und erreichen schließlich, am Werbellinsee entlang, Joachimsthal – unser
heutiges Tagesziel.
Prenzlau
Joachimsthal – Pasewalk
Wir folgen weiter der Streckenführung des Fernradwegs Berlin–Usedom, der auf einsamen
Wegen durch den Buchenwald des Grumsiner Forsts führt – seit 2011 UNESCO-Weltnaturerbe
und Teil des UNESCO-Biosphärenreservats Schorfheide-Chorin. Östlich dieses
Waldgebiets wird die Landschaft vielfältiger; kleine Seen und Fischteiche prägen nun die
Gegend. Auf schmalem Damm radeln wir durch die Fischteiche der Blumberger Mühle, erreichen
anschließend die beiden großen Seen der nördlichen Uckermark – Oberuckersee und
Unteruckersee – und kommen nach Prenzlau am Nordende des Unteruckersees.
Vom Steintor bietet sich uns eine weite Aussicht über Stadt, See und die
umgebende flache Landschaft.
Nach einer kurzen Runde durch die Innenstadt und einer schattigen Kaffeepause im
Klostergarten radeln wir weiter. Die Landschaft wird flacher; wir verlassen nun
die Moränenlandschaft der Uckermark. Meist auf kleinen Landstraßen, daher nicht
mehr ganz so verkehrsarm, erreichen wir schließlich Pasewalk, wo wir über Nacht bleiben.
Seebrücke in Ahlbeck
Von Pasewalk zur Ostseeküste
Nördlich von Pasewalk durchqueren wir das ausgedehnte Wald- und Heidegebiet der
Ueckermünder Heide. Ein großer Teil dieser dünn besiedelten Region wird als
Truppenübungsplatz genutzt;
die sandige, nährstoffarme Gegend hat kaum landwirtschaftliche Bedeutung und ist daher
prädestiniert für diese Nutzung. Am Westrand des Übungsplatzes radeln wir auf langen, flachen
Geraden durch endlos wirkende Kiefernwälder, auf gut ausgebautem Radweg – leider jedoch stets
entlang der Landstraße. Über Torgelow und Eggesin, die einzigen größeren Orte unterwegs,
erreichen wir schließlich Ueckermünde und damit das Oderhaff.
Von Ueckermünde geht es zunächst auf der Landstraße bis Bugewitz, dann auf Schotterwegen
direkt am Wasser entlang zum Fährhafen von Kamp. Die Fähre bringt uns nach Karnin auf Usedom.
Während der Überfahrt passieren wir die Überreste der einst über diese Meerenge – den
Strom – führenden Eisenbahn-Hubbrücke. Hier verlief früher eine wichtige Bahnverbindung
nach Peenemünde und Wolgast.
Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurden Teile der Brücke gesprengt, um den Vormarsch der
Roten Armee zu erschweren. Der Hubteil blieb erhalten und steht seit Kriegsende unverändert
als Fragment und technisches Denkmal mitten im Strom.
Wir queren Usedom auf kleinen Landstraßen und erreichen schließlich die Ostseeküste mit
ihren langen Sandstränden und bekannten Badeorten. Ahlbeck schauen wir uns etwas genauer an,
besonders die eindrucksvoll weit ins Meer ragende Seebrücke. Anschließend radeln wir auf dem
Küstenweg weiter nach Swinemünde, wo wir heute übernachten. Auffällig sind die vielen neuen
Hotelbauten im Kurviertel, die das Stadtbild in Strandnähe prägen.
Strand bei Misdroy
Swinemünde – Mrzeżyno
Von Swinemünde geht’s mit der Fähre über die hier – kurz vor ihrer Mündung in die Ostsee –
recht breite Swine. Auf der gegenüberliegenden Seite passieren wir das hafennahe
Industriegebiet der Stadt, in dem unter anderem das Swinemünder LNG-Terminal liegt;
danach führt die Radroute durch küstennahen Kiefernwald. Die Wege sind dort teilweise
etwas sandig und daher nicht immer leicht zu fahren. Das bessert sich, als wir uns
Misdroy nähern, dem nächsten größeren Ort. Auch hier deuten riesige neue Bettenburgen
an, was in der Hauptsaison los ist.
Misdroy liegt am Westrand des Nationalparks Wollin, und wir machen einen kurzen Spaziergang auf
den Kawcza Góra (Kaffeeberg), einen Aussichtspunkt im Park. Von dort führt eine lange Treppe
zum Strand, über die wir wieder zu unseren Rädern gelangen. Der Weiterweg führt zunächst ein
Stück landeinwärts; an einigen Seen entlang erreichen wir dann erneut die Küste. Auf kleinen
Landstraßen und befestigten Küstenwegen kommen wir dort zügig voran. Unterwegs schauen wir
uns die Kirchenruine von Hoff an. Als die Kirche gebaut wurde, stand sie etwa zwei Kilometer
vom Meer entfernt; dieses rückte jedoch im Laufe der Jahrhunderte immer näher heran und brachte
das Gebäude schließlich zum Einsturz. Heute ist nur noch ein Teil der Südwand erhalten.
Nach ein paar Gravelpassagen durch lichten Kiefernwald erreichen wir Mrzeżyno, ein kleines
Fischerdorf an der Mündung der Rega. Der Ort wirkt derzeit wie ausgestorben – die Badesaison
hat noch nicht begonnen. Fast alle Restaurants sind geschlossen, sodass wir am Abend froh sind,
im einzigen offenen Lokal noch etwas zu essen zu bekommen, bevor es schließt.
Rathaus in Darłowo
Mrzeżyno – Darłowo
Auf verkehrsarmen Landsträßchen und einsamen Radwegen, meist durch schattigen
Küstenwald, kommen wir nach Kołobrzeg, dem ehemaligen Kolberg. Hier ist es
mit der Einsamkeit vorbei: Die Stadt ist mit ihren Sehenswürdigkeiten ein
beliebtes Reiseziel und auch zu dieser Jahreszeit gut besucht. Am Hafen
herrscht beinahe volksfestartige Stimmung; ein Riesenrad und mehrere
historisch anmutende „Piratenschiffe“ laden zum Besuch ein.
Wir fahren noch ein Stück auf der gut frequentierten Strandpromenade entlang,
bevor es wieder auf einsamem Radweg an der Küste weitergeht. In Gąski steht
ein schöner alter Leuchtturm – den wir natürlich besteigen müssen. Von oben
genießen wir eine beeindruckend weite Aussicht über Ostsee und Binnenland.
Der Weiterweg führt an zwei Binnenseen vorbei, Lagunen, die jeweils durch
eine Nehrung von der Ostsee abgetrennt wurden. Am ersten, dem Jamunder See,
verläuft der Radweg über die Nehrung; am zweiten, dem Buckower See, müssen
wir ins Binnenland ausweichen. Kurz darauf erreichen wir unser Tagesziel
Darłowo, das frühere Rügenwalde – die Rügenwalder Mühle suchen wir dort
allerdings vergeblich.
Im Vergleich zum Vortag sind wir heute gut versorgt:
In der Stadt ist zwar wenig los, doch in unserer Unterkunft gibt es ein bis
zum späten Abend geöffnetes Restaurant. Und leckeres Rügenwalder Bier...
Endlos Betonplatten
Von Darłowo nach Smołzino
Auch heute kommen wir an mehreren Lagunenseen vorbei: Am Vitter See ist die
Radroute über dessen Nehrung geführt, am Vietzker See müssen wir durchs
Landesinnere ausweichen. Wieder an der Küste – in Ustka – beeindruckt uns
die ausladende Drehbrücke am Hafen, die dort für Fußgänger über die Słupia führt.
Da unsere Recherchen ergeben hatten, dass wir am heutigen Zielort wohl
keine Essensmöglichkeit finden würden, steuern wir zum vorgezogenen Abendessen
Rowy an, den letzten größeren Ort davor. In einem kleinen Fischrestaurant am
Hafen gibt es Seezunge als Tagesgericht. Lecker.
Auch den nächsten Lagunensee, den Garder See, müssen wir umfahren; diesmal
erwarten uns lange, rustikale Betonplattenwege durch eine malerische
Marschlandschaft. Nach einem Stück Landstraße erreichen wir schließlich
unser heutiges Ziel, Smołzino. In unserer Unterkunft ist niemand anzutreffen –
glücklicherweise ist ein freundlicher Nachbar gerade im Garten und weiß,
wen er anrufen kann.
Am frühen Abend fahren wir noch zur Wydma Czołpińska, einem ausgedehnten
Wanderdünenfeld im nahegelegenen Słowiński-Nationalpark. Ein langer Spaziergang
durch das vegetationsarme wüstenartige Dünengebiet führt uns nach wechselhaftem
Auf und Ab schließlich zu seinem höchsten Punkt, von dem aus wir auch das Meer
sehen können.
Totholz auf der Wanderdüne
Smołzino – Białogóra
Von Smołzino aus radeln wir zunächst wieder ein Stück landeinwärts, um den
Lebasee zu umfahren. An dessen Ostende erreichen wir Leba, eine kleine
Hafenstadt an der Mündung des gleichnamigen Flusses in die Ostsee. Von dort
machen wir einen Abstecher auf die Nehrung, die den Lebasee von der Ostsee
trennt, um uns die Wydma Łącka, die Lonske-Düne, anzusehen. Sie ist die größte
und bekannteste Wanderdüne an der polnischen Ostseeküste und daher deutlich
stärker besucht als die Wydma Czołpińska, die wir am Vortag erkundet haben.
Ein breiter Forstweg führt bis an den Rand der Düne – offen für Fußgänger,
Radfahrer und eine Flotte flinker kleiner Elektrobusse für die etwas
bequemeren Besucher.
Im Gegensatz zur Czołpińska, die aus mehreren kleineren Dünen besteht, ist
die Lonske-Düne eine einheitliche, große Wanderdüne ohne jeden Bewuchs. Vom
überwiegenden Westwind angetrieben, wandert sie jedes Jahr etwa zwölf Meter
nach Osten und verschlingt dabei nach und nach den dort stehenden Kiefernwald.
Denkmalartig aus dem Sand ragende, kahle, vom Wind getrocknete Baumstämme
dokumentieren diesen Prozess eindrucksvoll.
Auf dem weiteren Verlauf führt der Ostseeküstenradweg durch ein Gebiet, das
aktuell auf der Karte als Baugelände für ein neues Kernkraftwerk ausgewiesen
ist. Leider können wir keine verlässliche Informationen darüber bekommen,
ob die Route dort noch fahrbar ist – auch nicht in der Touristeninformation
von Leba, dem letzten größeren Ort davor. Daher gehen wir lieber kein Risiko ein
und umfahren den Abschnitt in einem weiten Bogen. Inzwischen (Stand Juli 2026)
ist die Route dort wohl verlegt worden und führt – zumindest laut Waymarkedtrails
– nun am Rand des AKW‑Geländes entlang.
Hafen von Hel
Von Białogóra zur Halbinsel Hel
Nach Białogóra folgen wir zunächst rund 15 Kilometer dem Ostseeküstenradweg,
bevor wir ihn verlassen, um die Halbinsel Hel anzusteuern. Hel ist eine etwa
35 Kilometer lange, schmale Landzunge, die weit in die Danziger Bucht hineinragt.
Sie trennt die Bucht von der offenen Ostsee, bildet jedoch – anders als andere
Nehrungen – kein geschlossenes Haff.
Auf dem gut ausgebauten Radweg entlang der Hauptstraße radeln wir bis zur Spitze
der Halbinsel, zum Hafen von Hel. Unterwegs herrscht reger Betrieb – sowohl
auf der Straße als auch auf dem Radweg. Kein Wunder: Es ist Wochenende, das
Wetter zeigt sich von seiner besten Seite, und von den größeren Städten Danzig
und Gdingen ist es nur ein Katzensprung.
Von Hel aus nehmen wir schließlich die Fähre über Sopot nach Danzig, unserem
heutigen Ziel.
Danzig - An der Motława
Danzig
Heute lassen wir die Räder erst einmal stehen und unternehmen einen ausführlichen
Bummel durch die Danziger Innenstadt. Wie unzählige andere Besucher flanieren wir
an den vielen Sehenswürdigkeiten vorbei, die nach ihrer Zerstörung im Zweiten
Weltkrieg sorgfältig wiederaufgebaut wurden. Schließlich steigen wir noch auf den
Turm der Marienkirche, um den weiten Blick über die Stadt zu genießen.
Elbląg - Nikolauskathedrale
Danzig – Elbląg
Am Nachmittag geht es wieder aufs Fahrrad: Wir verlassen Danzig und fahren ostwärts
weiter entlang der Küste. Eine Autofähre bringt uns über die Weichsel, die hier,
kurz vor ihrer Mündung in die Ostsee, bereits beeindruckend breit ist. Kurz darauf
verlassen wir die Küstenroute und queren auf kleinen Sträßchen und Wirtschaftswegen
ins Landesinnere nach Elbląg.
Oberländischer Kanal
Oberländischer Kanal
Von Elbląg aus unternehmen wir einen Tagesausflug zum Oberländischen Kanal, der
weiter ins Landesinnere führt. Auf einer rund zehn Kilometer langen Teilstrecke
muss der Kanal einen Höhenunterschied von etwa hundert Metern überwinden. Zur
Zeit seines Baus im 19. Jahrhundert wäre dies mit Schleusen zu aufwändig gewesen,
daher entstanden fünf sogenannte Rollberge.
Jeder dieser Rollberge ist mit einer Standseilbahn ausgestattet, die die Schiffe
auf Schienen zum jeweils nächsten Kanalabschnitt befördert. Angetrieben werden
die Anlagen allein durch Wasserkraft über große Wasserräder. Das gesamte System
ist bis heute in Betrieb, steht als technisches Denkmal unter Schutz und gilt
als touristisches Highlight der Region.
Auch wir fahren per Schiff kanalaufwärts und lassen uns von der historischen
Ingenieurskunst beeindrucken.
Marienburg
Elbląg – Marienburg – Tczew
Von Elbląg aus radeln wir westwärts, teils auf Radwegen entlang der großen
Durchgangsstraße, teils auf kleinen Nebenstraßen abseits davon. Heute bläst
uns ein kräftiger Gegenwind entgegen, und so sind wir froh, in Malbork einen
längeren Zwischenstopp einlegen zu können – denn für die Besichtigung der
Marienburg wollen wir uns ausgiebig Zeit nehmen.
Die Marienburg wurde im 13. Jahrhundert vom Deutschen Orden am Ufer der Nogat
erbaut und diente rund 150 Jahre lang als Verwaltungssitz für die eroberten
Gebiete im heutigen Polen und Litauen. Nach einer wechselvollen Geschichte
wurde sie am Ende des Zweiten Weltkriegs fast vollständig zerstört. Inzwischen
ist die Anlage vollständig rekonstruiert und zählt zu den wichtigsten
touristischen Anziehungspunkten Polens. Sie gilt als größter Backsteinbau
Europas und gehört seit 1997 zum UNESCO‑Weltkulturerbe.
Geführt von einem Audio‑Guide erkunden wir die weitläufige Burganlage auf
einem langen Rundgang.
Für den Weiterweg haben wir eine Route gewählt, die ein Stück südlich der
vielbefahrenen Durchgangsstraße verläuft. Zunächst radeln wir über etwas
holprige Betonplattenpisten, später über kleine Nebenstraßen. Dort werden
wir allerdings von einer nicht enden wollenden Schlange überholender Autos
überrascht. Kurz vor der großen Weichselbrücke erreichen wir wieder die
Hauptstraße – und sehen den Grund: Die Hauptstrecke ist gesperrt, und in
einer Richtung wird der Verkehr über die „einsame“ Nebenroute umgeleitet.
Hinter der Brücke können wir wieder verkehrsarm am Weichselufer entlang nach
Tczew weiterfahren. Auf unserem abendlichen Spaziergang zeigt sich die Stadt
jedoch ausgesprochen trist. Nur mit viel Glück finden wir in der Innenstadt
noch eine geöffnete Eisdiele und kommen so zu unserem geliebten Nachtisch.
Am nächsten Tag führt uns die Heimfahrt mit der Bahn zunächst im polnischen
EC bis Berlin, von dort geht es mit der DB weiter nach Hause – nicht ohne die
uns schon wohlvertrauten Probleme: Durch einen Fahrzeugwechsel können auf der
gebuchten Verbindung keine Fahrräder mitgenommen werden. So wird es eben zwei
Stunden später…
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KI wurde jedoch nur zur technischen Überarbeitung eingesetzt, nicht zur inhaltlichen
Texterstellung.